Kater Johnny nach über zwei Jahren wieder daheim

Es ist ein Wunder, das sich jeder erträumt, dem jemals ein Tier abhanden gekommen ist: Zwei Jahre nach seinem Verschwinden ist Kater Johnny wieder daheim bei seiner Familie. Zu verdanken haben die Czernys aus Kirchheim dieses Glück dem unermüdlichen Einsatz der Tierschützer von Verantwortung Leben e.V.

Es begab sich, als der Schneesturm Daisy über das Land brauste: Tierschutz-Aktivistin Silke Gramatzki-Wieczorek lag krank im Bett, als das Telefon klingelte und eine Freundin aus Hattenbach Rat und Hilfe suchte. In dem Dorf irre eine abgemagerte Katze herum und keiner traue sich das Tier anzufassen, weil es so eigenartig gucke. Sie selbst könne nicht helfen, da sie dringend verreisen müsse – also, was tun? Silke Gramatzki-Wieczorek zögerte keine Sekunde und schlug vor: „Finde jemanden, der die Katze einfängt und in einen Katzenkorb steckt. Wir holen sie dann ab“. Und so geschah es: nach 1 Woche war der Kater bei den Tierschützern in Hosenfeld. Zielsicher untersuchten sie das Tier nach einer Tätowierung, durch die man die Herkunft des Findlings ausfindig machen könnte. Und tatsächlich: Da waren schlecht leserliche Zahlenreihen in beiden Ohren, von denen man eine nach langem Rätseln als Postleitzahl identifizierte. Der Anruf beim zentralen Haustier-Register Tasso brachte keinen Erfolg und auch die Recherchen bei Tierärzten im Raum der Postleitzahl waren Fehlanzeigen. 

Irgendwann zu später Stunde dann Aufatmen: Man hatte endlich die nette Tierärztin gefunden, die den Kater vor vielen Jahren tätowiert hatte. Und ein weiterer Glücksfall: Frau Dr. Bückner Gandolf archiviert die tätowierten Nummern, die sie vergibt. Das ist keineswegs üblich, denn wer sein Tier tätowieren lässt, muss es selbst bei dem zentralen Haustier-Register Tasso kostenlos registrieren lassen.
Doch dann Enttäuschung, als die Veterinärmedizinerin befand: „Kann nicht sein, den Kater gibt es schon zwei Jahren nicht mehr.“ Doch gibt’s nicht, gibt es nicht für die Tierschützer von „Verantwortung Leben“: vom Krankenlager aus bat Silke Gramatzki die Tierärztin, doch einfach mal die Tierbesitzer zu kontaktieren. Und das tat die hilfsbereite Frau trotz der fortgeschrittenen Zeit. Spät am Abend dann der Anruf von Hedy Czerny bei Silke Gramatzki, die der überraschten Frau aus Kirchheim frohe Kunde überbrachte: „Ich glaube, wir haben Ihre Katze. Können Sie mir mal ein Foto von ihr mailen?“ Frau Czerny glaubte wohl zu träumen, denn ihr Johnny, den sie vor 13 Jahren als Katzenbaby aus ihrer Schweizer Heimat mit nach Nordhessen gebracht hatte, war seit zwei Jahren spurlos verschwunden – einfach von seinem abendlichen Spaziergang an einem Novembertag im Jahr 2008 nicht mehr zurückgekehrt.
 
Lange hatte man ihn gesucht und dabei lediglich in Erfahrung gebracht, dass zu dieser Zeit viele Katzen aus Kirchheim plötzlich verschwunden waren. Doch Hedy Czerny ließ sich auf den Vorschlag ein und mailte das Foto von ihrem Johnny den Hosenfelder Tierschützern. Nach detektivischem Abgleich der Maserierung des Grautigers im Original und auf dem Foto dann der unglaubliche Befund von Silke Gramatzki: „Jawohl; keine Zweifel, er ist es!!!“. Da gab es bei Czernys kein Halten mehr: Trotz Schnee und Eis fuhren sie von Kirchheim nach Hosenfeld und hielten am nächsten Tag überglücklich ihren totgeglaubten Johnny im Arm. Auch der Kater maunzte und strich Hedy und Armin Czerny zutraulich um die Beine. Dann flossen Tränen des Glücks: was muss dieser arme Kater mitgemacht haben? Er wurde nun gefunden nach 2 Jahren, die Augen (Pupillen) sind nicht mehr zu sehen, Johnny ist blind und abgemagert. Auch zurück Zuhause in Kirchheim großes Hallo bei den Czerny-Kindern, die ihren Johnny sofort erkannten. Und der Kater fühlte sich auch gleich daheim: sofort nahm er seinen Lieblingsplatz ein und fand sich mühelos zurecht, obwohl inzwischen tierärztlich diagnostiziert wurde, dass Johnny wohl erblindet ist, werden wir wohl nie erfahren, wo er so lange steckte. „Das sind Erlebnisse, die einen für das entsetzliche Tierelend, mit dem wir konfrontiert werden, und die viele Arbeit entschädigen“, sagt Silke Gramatzki-Wieczorek. Sie bittet alle Tierhalter, aus der Geschichte die Lehre zu ziehen, dass man Hund und Katze tätowieren oder gechipt bei Tasso kostenlos registrieren lassen sollte.

Wir bekommen sehr viele Fundtiere, die bestimmt gerne wieder ihr zu hause hätten.